Wandertour: Der Speyside Way

Lange stand dieser Fernwanderweg im Schatten der bekannteren West Highland Way und Great Glen Way. Dabei war er der erste Weg, der dem Naturfreund in relativ rascher Abfolge das Erlebnis der Küsten- und der Berglandschaften Schottlands bot. Zudem ist er hervorragend mit beiden Startpunkten in das überregionale Verkehrsnetz von Straße und Schiene angebunden.

Inzwischen hat der Speyside Way als die „fußläufige Alternative“ zum Whisky-Trail breitere Beachtung gefunden, zumal er in weiten Teilen auch mit dem Rad befahrbar ist. Allerdings fahren nur relativ wenige Radfahrer den gesamten Speyside Way. Vielmehr nutzen sie die überall in seinem Einzugsbereich ausgewiesenen ‚cycle trails‘ für kleinere Rundfahrten. Da zudem eine wesentlich konsequentere Trennung von Fußgänger- und Radfahrverkehr als etwa im Bereich des Great Glen Way gegeben ist, kommt es kaum zu wechselseitigen „Störungen“ entlang der Stecke.

Traditionell besteht der Speyside Way aus der knapp 90 Kilometer langen Hauptstrecke zwischen Buckie an der Nordseeküste und Aviemore, dem westlichen Tor zu den Cairngorms, und zwei Abstechern: einem rund 6,5 Kilometer langen Abzweig nach Dufftown und dem rund 25 Kilometer langen Abstecher nach Tomintoul. In jüngster Zeit wurde für die Hauptstrecke, kurz nach Erreichen der Nordgrenze des Cairngorm National Parks, südwestlich von Ballindalloch eine Alternativroute ausgewiesen, die aus Gründen des Naturschutzes eine Trennung der reinen Wanderstrecke von der Radfahrertrasse ermöglicht. Ähnliche, allerdings kleinere Ableitungen des Radfahrerverkehrs gibt es mittlerweile auch auf anderen Streckenabschnitten.

Der Weg ist in allen Abschnitten hervorragend ausgeschildert und absolut problemlos auch für wenig erfahrene Wanderer zu begehen. Zur nötigen Orientierung langt die OS-Karte 1:50.000 voll aus (Blätter 28, 35, 36). Nur wer im Streckenabschnitt Aberlour-Ballindalloch nicht ausgeschilderte, alternative Wege auf dem Südufer des Speys begehen will, sollte sich eine 1:25.000er Karte besorgen oder muss sich vor Ort durchfragen. Wegezwang besteht nur innerhalb des Cairngorm Nationalparks, also auf der Hauptstrecke etwa zwischen Ballindalloch und Grantown-on-Spey sowie auf der südlichen Nebenstrecke etwa zwischen Glenlivet und Tomintoul.

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Die Hauptstrecke

Sie beginnt im Nordseeküstenort Buckie. Ausgeschildert ist der offizielle Weg im Küstenhinterland, doch man kann bis Spey Bay genauso gut unmittelbar am Strand entlang laufen. Mit Verlassen der Küste folgt der Weg kleinen Nebenstraßen und Wirtschaftswegen, bis man bei Bogmoor das eigentliche Ufer des Spey erreicht. Von nun an folgt der Weg mehr oder weniger eng dem Lauf des River Spey. Die Strecke ist landschaftlich abwechselungsreich, führt mal auf Wirtschaftswegen durch die Flussniederung, meist aber parallel zu Nebenstraßen auf der Mittel- und Oberterrasse des Spey durch kleinere Waldungen bis Craigellachie. Hier zweigt die Nebenstrecke nach Dufftown ab, während der Hauptweg zwischen der A95 und dem Fluss weiter dem River Spey folgt.

Kurz hinter Aberlour kreuzt der Weg den Fluss und führt zu den bekannten Destillerien von Knockandoo und Tamdhu. Mit einer Karte findet man aber auch leicht auf dem Südufer einen Weg durch den Drum Wood . Allein die letzten 1,5 Kilometer führen dann entlang der A95 (ist in der Vor- und Nachsaison kein Problem, in der Hauptsaison kann der stärkere Touristenverkehr etwas „lästig“ werden).

Etwa fünf Kilometer südwestlich von Ballindalloch erreicht der Weg die Grenze des Cairngorm Nationalparks und folgt von nun an reinen, meist unbefestigten aber trotzdem gut begehbaren Fußwegen. Dabei entfernt sich der Weg etwas vom Flusslauf und führt auf beiden Ufern überwiegend durch eine geschlossene Waldlandschaft.

Von Grantown-on-Spey über Nethy Bridge bis Boat of Garten folgt der Weg dann der Trasse einer alten Eisenbahn-Nebenstrecke, bevor er auf dem letzten Teilstück parallel zur wieder durch einen Museumszug befahrenen, ehemaligen Bahn-Hauptstrecke nach Aviemore führt.

Der Abstecher nach Dufftown

Er führt auf gesamter Länge auf der Trasse einer ehemaligen Schmalspurbahn in die bedeutende Whisky-Stadt. Das langsam ansteigende Flusstal, durch das sie verläuft, ist deutlich enger als das Spey-Valley und bietet dadurch einen anderen Landschaftseindruck. Gelegentlich „verschwindet“ der Weg in kleinen Schneisen der Trasse, um danach wieder den Blick auf einen anderen Talausschnitt frei zu geben.

Der Abstecher nach Tomintoul

Dieser Abstecher bietet noch einmal ganz andere Landschaftseindrücke. Der Weg führt durch die Hänge des Avon- und Livettales allmählich auf die Hochfläche hinauf, erreicht bei Glenlivet die Grenze des Cairngorm Nationalparks und bald darauf relativ offenes Gelände. Bevor der Weg in leichtem Auf und Ab bei Tomintoul wieder in das Tal des Avon absteigt, erreicht man einige interessante Aussichtspunkte, von denen die Höhe desCarn Daimh die bekannteste ist: Von hier aus hat man einen schönen Blick über das östlich gelegene Tal des Livet, auf Tamnavoulin und Knockandhu mit ihren Destilleriegebäuden.

Mit etwas ‚beach combing‘ am Nordseestrand, dem Besuch der einen oder anderen Brennerei (ausgewiesen sind in der Karte nur die unmittelbar am Weg liegenden Brennereien), einem Blick ins Küfermuseum von Craigellachie oder das Whisky-Museum in Grantown-on-Spey oder einer nostalgischen Dampfzugfahrt im Stil der 50er- und 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts garantiert das Revier insgesamt einen gut einwöchigen, abwechslungsreichen Wanderurlaub. Dabei liegt der größte Teil der Strecke im Windschatten der Cairngorms, wodurch das Klima relativ trocken und insgesamt „stabiler“ ist, als in anderen Wandergebieten weiter nördlich.

(Autoren: Wolfgang Schlick, Ulrike Vollkommer, kba)