Autoreiseroute: Der Malt Whisky Trail

Beinahe die Hälfte aller schottischen Malt Whisky Distilleries liegt in der Speyside-Region, d.h. in Moray und den angrenzenden Gebieten der Highlands und Aberdeenshires. Es lag also auf der Hand, hier eine Touristic Route auszuweisen, die dem Whisky gewidmet ist. Das Zentrum der Region ist mit 85 bzw. 95 km etwa gleichweit von Inverness und Aberdeen entfernt, ab Edinburgh muss man rund 290 km Anfahrt kalkulieren.

Obwohl die Stationsempfehlungen in den meisten Beschreibungen des Trails gleichlautend sind, gibt es hinsichtlich des Routenverlaufs doch deutliche Abweichungen. Wir folgen hier der „großen Variante“, wie sie auch von VisitScotland promoted wird.

Ausgangs- und Endpunkt ist das kleine Städtchen Forres etwa 35 Kilometer westlich von Inverness. Neben anderen Attraktivitäten im Ort bzw. in der unmittelbaren Umgebung (Sueno’s Stone, Brodie Castle) bietet der Ort die Destillerie zur Benromach Besichtigung. Unmittelbar vor den Toren der Stadt liegt an der Ausfallstraße B9010 Richtung Rafford die Dallas Dhu Historic Distillery. Die aktive Brennerei Benromach und das etwas abseits der Hauptstraße liegende Industriedenkmal Dallas Dhu ergänzen sich hervorragend.

Im weiteren Verlauf der Route geht es ab Rafford auf der B9010 weiter Richtung Dallas und Upper Knockando. Auf einem kurzen Abstecher auf der B9012 ist die Cardhu Distillery zu erreichen, die rechter Hand abseits der Straße liegt. Wieder zurück auf der B9012 geht es auf ihr weiter bis zur Einmündung in die A95 zur Weiterfahrt nach Grantown-on-Spey. Wer es etwas geruhsamer mag, kann aber auch die landschaftlich gleichfalls reizvolle B9102 auf dem Nordufer des Spey wählen. Der Ort Grantown-on-Spey und seine Umgebung bieten mit dem Grantown Museum, der Strathspey Steam Railway und dem Heather Centre bei Dulnain Bridge eine Vielzahl von Einblicken in die Geschichte und Wirtschaft der Strathspey Region.

Auf der A939 geht die Fahrt weiter nach Süden bis Tomintoul, wo man auf die B9008 abbiegt und via Tomnavoulin die Glenlivet Distillery erreicht. Von dort aus geht es weiter nach Dufftown und zur Glenfiddich Distillery. Dazu bieten sich zwei Streckenalternativen an: a) weiter auf der B9008 nach Norden zur A95 Richtung Craigallachie, wo man nach rechts in die A941 nach Dufftownabbiegt oder b) via Auchbreck und B9009 zur direkten Fahrt nach Dufftown. Die Standardstrecke ist etwas schneller zu fahren, die Nebenstrecke landschaftlich etwas reizvoller.

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Die Weiterfahrt geht ab Dufftown auf der A941 nach Norden bis Rothes. Auf diesem Streckenabschnitt kommt man an der Speyside Cooperage (Böttcherei) vorbei und trifft kurz vor Rothes auf die .

Über die B9105, die B9103 und die A95 geht es nach Keith und zum letzten Ziel, der Strathisla Distillery. Von hier aus geht es auf der A96 über Fochabersund Elgin zurück nach Forres.

Je nach gewählter Streckenführung geht die Gesamttour über etwa 200 bis 250 Kilometer, was einer einzukalkulierenden Gesamtfahrtzeit von 4 bis 5 Stunden entspricht. Man kann sie also relativ bequem im Verlaufe eines längeren Tagesausflugs abfahren und hat dabei immer noch Zeit für drei oder vier Besichtigungsstops von etwa ein bis eineinhalb Stunden Dauer. Wie stark der einzelne Besuch von der durchschnittlichen Verweildauer abweicht, hängt meist davon ab, wie lange man sich in den Shops der Besucherzentren „verlustiert“.

Grundsätzlich sind zwar alle genannten Destillerien für Besichtigungen offen, aber abhängig von der einzelnen Betriebssituation kann es schon einmal vorkommen, dass an einem bestimmten Datum eine Besichtigung nicht möglich ist.

Darum empfiehlt es sich, bei der Anreise in einer der Touristinformationen in Nairn, Forres, Aviemore, Tomintoul, Aberdeen oder Huntly nachzufragen, ob aktuelle Beschränkungen für eine bestimmte Destillerie bekannt sind. Grundsätzlich sind die sechs genannten aktiven Brennereien untereinander austauschbar, während die Dallas Dhu Historic Distillery und die Speyside Cooperage Unikate sind, für die es keinen annähernd vergleichbaren Ersatz gibt.

Wer das Revier lieber zu Fuß erkunden möchte, der sei an dieser Stelle auf den wenig bekannten Fernwanderweg Speyside Way hingewiesen. Er führt von Buckie/Spey Bay an der Nordseeküste im Tal des Spey über 135 Kilometer bis nach Aviemore. Zwei Stichstrecken erschließen zudem das Tal des Fiddich bis Dufftown bzw. Strathavon bis Tomintoul.

Die Website zum Speyside Way enhält auch Hinweise darauf, welche Streckenabschnitte mit dem Rad befahren werden können und verweist auf Alternativstrecken für die für Radfahrer gesperrten Abschnitte.

Nachbemerkung

Man ist aber als Tourist keinesfalls an die Speyside gebunden, wenn man ein Whisky Distillery besichtigen will. Auch in anderen Regionen bieten viele Brennereien die Möglichkeit zu Betriebsbesichtigungen und Besucherzentren mit denen sie über die Herstellung informieren und/oder zur Verköstigung einladen.

Die nachstehende Abbildung soll nur grob darauf verweisen, wohin man seine Schritte lenken muss, will man den Ort der Entstehung „seiner“ Hausmarke einmal besichtigen.

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Selbst bei weniger bekannten Brennereien ohne Besucherzentrum und organisierte Führungen lohnt die Nachfrage. Jeder ehrbare Handwerker ist stolz auf sein Produkt und freut sich am Interesse. Manchmal, ganz selten nur und als eine Art ganz persönlichen Sympathiebeweises, trifft man dann sogar auf einen freundlichen Zollbeamten, der ein „warehouse“, das Lagerhaus, aufschließt und den Besucher an der kühlen Luft und ihrem im wahrsten Sinne des Wortes berauschenden Duft teilhaben lässt – etwas, das man in den großen Distilleries sonst nur hinter Glas und zunehmend mit Fotographierverbot belegt betrachten aber nicht mehr „genießen“ kann.

(Autor: Wolfgang Schlick)